Kaffeehäuser und Konditoreien

File 206Ein Wienurlaub wäre ohne einen Kaffeehausbesuch und ein Stück der legendären Sachertorte bestimmt nur halb so schön! Wien ist in seiner Geschichte zweimal von türkischen Heeren belagert worden. Wenngleich das Osmanische Reich sowohl beim ersten, als auch beim zweiten Mal an der Donau zurückgeschlagen werden konnte, hat es doch in Wien (und davon ausgehend in vielen Teilen Westeuropas) in mehrerlei Hinsicht seine Spuren hinterlassen. Wer weiß beispielsweise heute noch, dass der Teil des berühmten Apfelstrudels, der in Österreich und im süddeutschen Raum sehr beliebt ist, aus dem Nahen Orient stammt? Auch die berühmten Wiener Kaffeehäuser haben dort ihren Ursprung!
Das Wiener Kaffeehaus ist mittlerweile ein Stück gelebte Tradition. Dort sitzt man, trinkt und speist (überwiegend Süßes), beobachtet seine Mitmenschen, verliert sich in schier endlosen Diskussionen, lauscht der Pianomusik (Kaffeehausmusik) oder wird zum Literaten (Kaffeehausliteratur). In Wiens Kaffeehäusern trinkt man keinen Kaffee, nein, dort wird Kaffeekultur zelebriert. Egal ob kleiner oder großer Schwarzer bzw. Mokka, kleiner oder großer Brauner (Kaffee mit ein wenig Milch erhellt), Wiener Melange (Kaffee mit Milch gestreckt), Verlängerter (Kaffee mit Wasser gestreckt), Fiaker (Kaffee mit Rum), Einspänner (Kaffee mit Schlagsahne (Schlagoberst) im Glas) oder eine andere Kaffeehausspezialität, in Wien genießt man die schwarzen Bohnen mit Leib und Seele. Zu den bekanntesten und zugleich schönsten Wiener Kaffeehäusern gehören das Café Central, das Café Gerstner, das Café Griensteidl, das Café Hawelka, das Café Landtmann und die Konditorei Demel.
Das Café Central zählt fraglos zu den schönsten Wiener Kaffeehäusern und stellte im späten 19. Jahrhundert einen Mittelpunkt des Wiener Kulturlebens dar. Es befindet sich unweit der Hofburg im Palais Ferstel, einem Gründerzeitbau, in dem sich neben dem Kaffee exklusive Boutiquen und Restaurants befinden.
File 119Seit 1975 ist das Central in neuen Räumlichkeiten des Palais, nicht mehr in dessen Innenhof untergebracht. Das Central war zeitweilig das zweite zu Hause des berühmten Wiener Kaffeehausliteraten Peter Altenberg, der die Gäste des Central heute als Puppe am Eingang empfängt.
Das Gerstners gehört zu einer der traditionsreichsten Konditoreien Wiens, die bis in die Gegenwart als königlich-kaiserliche Hofzuckerbäckerei gelistet wird. Bis heute sind die Filialen der Konditorei (das Stammcafé befindet sich in der Kärntnerstraße 13 bis 15) für ihre Süß- und Mehlspeisen, die vorzüglich zu einer Kaffeehausspezialität passen, weit über die Grenzen der Donaumetropole hinaus bekannt.
Das Café Griensteidl gehörte im 19. Jahrhundert neben dem Café Central zu den wichtigsten Literatentreffpunkten Wiens.
Im Griensteidl gaben sich Wiener Größen wie Franz Grillparzer, Arthur Schnitzler und Hugo von Hofmannsthal die Klinke in die Hand. 1897 wurde das Café Griensteidl allerdings abgerissen. Nahezu 100 Jahre später eröffnete ein neues Griensteidl unter der alten Adresse.
Ein angesagtes Kaffeehaus, welches sich mitunter an ein jüngeres Publikum richtet, ist das Hawelka in der Dorotheergasse. Das Café im Familienbesitz wirkt irgendwie wie ein überdimensionales Wohnzimmer, indem die Familie Hawelka ihren Gästen mit ihren berühmten Buchteln (Dampfnudeln) ein Lächeln auf die Lippen zaubert.
Zuletzt darf die Sachertorte nicht unerwähnt bleiben, die Sie am besten im Demel (ehemals kaiserlicher und königlicher Hoflieferant), der wohl berühmtesten Wiener Konditorei, genießen können. Im Demel bekommen Sie „Demels Sachertorte“ serviert, die „Original Sachertorte“ hingegen bietet das Hotel Sacher an. Beide Torten sind eine Sünde wert!

 

Adressen:

Café Central
Herrengasse 1
1. Bezirk, A-1010 Wien

 

Café Demel
Kohlmarkt 14
1. Bezirk: A-1010 Wien

 

Café Gerstner
Kärntnerstraße 13-15
1. Bezirk, A-1010 Wien

 

Café Griensteidl
Michaelerplatz 2
1. Bezirk, A-1010 Wien

 

Café Hawelka
Dorotheergasse 6
1. Bezirk, A-1010 Wien